Kobe

Gestern Abend waren wir im Kobe in St. Georg speisen. Es dürstete uns schon seit unserem USA-Urlaub letztes Jahr danach, Kobe-Fleisch (oder Wagyu, wie das aus Japan exportierte Fleisch heißt) zu essen, denn wir hatten in Las Vegas im SushiSamba ein unvergessenes kulinarisches (Aha-)Erlebnis.

 

Durch Zufall erfuhr ich, dass es in Hamburg ein Restaurant namens Kobe gibt, gleich um die Ecke von meinem Büro, es war also klar, dass wir es bald aufsuchen würden.

 

Gestern Abend war es nun soweit. Wir hatten Hunger nach gutem Fleisch und waren eh schon in der Stadt. Was braucht man mehr? Gesagt, getan. Durch die wummernden Bässe vom CSD liefen wir an der Alster entlang, bis wir in der Schmilinkystraße 19 ankamen.

 

Es war leer, aber die Uhrzeit ließ ja auch nichts anderes zu: 23 Uhr. Tse, wir Spätesser... Dennoch standen draußen hübsch angerichtet und einladend noch einige Tische und Stühle, mit flackernden Kerzenlichtern drauf, und das Personal unterhielt sich an der Bar. Mit einem schüchternen "Habt ihr noch auf - und kriegen wir noch was zu essen?" machten wir auf uns aufmerksam. Wir wurden sofort hineingebeten, entschieden uns allerdings, erstmal draußen zu sitzen, denn solch eine laue Sommernacht muss in Hamburg ausgekostet werden. Zudem fand ich, dass es drin ein wenig nach frischer Farbe roch. Es sei ihnen verziehen, das Restaurant ist erst einen Monat alt.

 

Wir brauchten lange, um uns zu entscheiden. Nicht weil die Speisekarte so groß ist, sondern weil uns der Anlass des Abends angesichts der Preise für das Kobe-Fleisch irgendwie nicht angemessen genug vorkam. Wir beschlossen, diesmal kein Kobe zu essen, sondern es mit den anderen Fleischsorten zu versuchen, um dann ein anderes Mal, eventuell auch noch mit anderen ähnlich Verrückten, wiederzukommen und das halbe Gehalt dort zu lassen.

 

Als Appetizer teilten wir uns einen kleinen Mango-Schafskäse-Salat, auch wenn mich die Vorspeisen nicht minder angelacht hatten: Gefüllte Avocado, Knoblauch Garnelen oder Kleine Köstlichkeit: "zwei kleine Stückchen Schweinefilet und drei kleinen Stückchen Roastbeef auf einem heißen Stein serviert".

 

Der Salat kam in einem dieser neuerdings sehr begehrten und überall anzutreffenden schrägen Schälchen, bei denen man das Gefühl bekommt, der Inhalt fällt einem gleich entgegen, wenn man nicht aufpasst. Es war Rucola mit einem Lollo-Rosso-Blatt als Deko, garniert mit Mangostückchen (an die Kenner: keine dieser weichen, extrem süßen Mangos, die im Mund zerschmelzen, sondern eine durchaus süße, gelbe, etwas bissfestere Sorte) und Schafskäsebröckeln. Das Dressing war überraschenderweise süß, es schmeckte nach Honig. Als Appetizer genau richtig, wenngleich mein Gaumen die Süße des Dressings als unpassend zur zuvor gereichten (und seeehr knoblauchigen) Knoblauchbutter empfand. Aber ich bin ja eh mehr so der salzige Typ.

 

Zu trinken hatten wir uns an einen Rotwein gewagt, und jeweils ein Glas Sangiovese aus der Toskana und Palacio Quemado Crianza aus Spanien bestellt. Den Palacio fanden wir beide besser, weil er runder, aromatischer, spannender schmeckte.

 

Zum Hauptgang hatten wir einmal das Irish-Angus-Ribeyesteak bestellt und das Ibérico-Filet, denn das Preis-"Interessantheits"-Verhältnis bei diesen beiden erschien uns am besten ;-)

 

Sie kamen beide auf einer schwarzen, heißen Platte angerichtet, die auf einem Korkbrett lag. Angerichtet ist in diesem Zusammenhang zuviel gesagt, denn das Stück Fleisch lag einfach nur auf dem heißen Stein und zischte vor sich hin. Man erzählte uns, dass der Stein 300°C hat und wir es bloß nicht anfassen sollten. Da ich als Kind mal auf eine dieser Warmhalteplatten beim Chinesen gefasst und eine Woche an der entstandenen Blase herumgedoktert hatte, brauchte ich diese Erfahrung nicht noch einmal.

 

Die Beilagen waren, genau wie das Fleisch, puristisch. Wir hatten uns für einen kleinen Beilagensalat und für Kräuterbaguette entschiden, die uns wieder einmal in den schrägen Schälchen gereicht wurden. Die dritte mögliche Beilage Pommes hatten wir sofort wegen Profanität verworfen.

 

Das Fleisch zischte und dampfte, man erklärte uns, dass wir nichts weiter zu tun brauchten als uns daraus Stückchen zu schneiden und diese zu essen. Diese Prozedur ist für mich genau richtig: ich mag mein Fleisch eher bloody, wie der Engländer sagt, während der Mann sich mehr in Richtung Medium bewegt. Wir schnitten also Scheibchen von den roten Fleischstücken, ließen sie je nach Gusto noch ein paar Sekunden auf dem Stein liegen und schoben sie uns genüsslich in den Mund.

 

Wir probierten von beiden Brettern und kamen zu dem Schluss, dass das Ibérico-Schwein weit interessanter - weil aromatischer - schmeckte. Und es war irgendwie auch zarter, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das nicht vielleicht am Bräunungsgrad lag. Wir probierten verschiedene aus - und blieben letztendlich jeder bei "seinem".

 

Insgesamt war es ein gutes kulinarisches Erlebnis, wobei uns einige Dinge gefehlt haben, die wir am Ende der Bedienung auch als Anregung mitgaben:

  • Der Beilagen waren ein wenig... zu wenig. Eine nette Idee wäre es vielleicht, ein paar Stücke Gemüse mitzureichen (gesehen in Mexico City beim Argentinier), die man mit zum Brutzeln auf den Stein legen könnte: Bohnen, Paprika, Broccoli und/oder Blumenkohl, Möhren.
  • Wir verstehen das puristische Prinzip durchaus, dass man möchte, dass das Fleisch im Vordergrund steht und es nicht durch andere Zugaben erdrückt wird, aber ein klein wenig Sauce, wenn auch nur als Dekostreifen am ähh... Tellerrand wäre nett gewesen (so war es im SushiSamba damals, und man konnte immer eine Ecke des Fleisches durch den schmackhaften Streifen ziehen, was einem noch einen Kick mehr gab).
  • Im Laufe des Abends wurde das Fleisch von unten immer garer, da es ja auf dem heißen Stein lag. Das Schwein zum Beispiel war zum Teil nicht mehr so leicht zu schneiden, sobald man mit dem Messer nach unten kam. Wie regten an - und lernten gleichzeitig, dass wir einen Extrateller hätten anfordern können, auf dem wir das Fleisch hätten "zwischenparken" können, damit wir uns beim Essen nicht beeilen müssen.

 

Die Idee, das Fleisch auf einem heißen Stein vom Kunden selbst garen zu lassen, finde ich super, vor allem wenn man sich, so wie ich, von Bissen zu Bissen ob des gewünschten Gargrades umentscheidet. Außerdem ist es spannend mit anzusehen, wie das Fleisch sofort hell wird, wenn man ein Stück davon auf den Stein fallen lässt und es kaum eine Sekunde später wieder hochnimmt.

 

Die Klamotten sind zwar durch eine "Schürze" (mehr ein Lätzchen, das einem vor dem Servieren des Hauptganges um den Hals gelegt wird) vor den entstehenden Fetttröpfchen geschützt, aber unsere Weingläser sahen währenddessen und hinterher sehr "eingenebelt" aus. Das machte uns nichts, es wurde von uns mit einem Schmunzeln quittiert. Wenn man aber nach einem solchen Essen noch in die Oper möchte, sollte man sich die Reihenfolge vielleicht überlegen, da das Fett mit Sicherheit auch in den Haaren landet ;-)

 

Alles in allem ein schöner Abend, und ein sehr leckerer noch dazu - und wir werden mit Sicherheit nochmal hingehen, allein um endlich das vielgepriesene Kobe-Fleisch zu essen.

 

Und jetzt hab ich Hunger bekommen...

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Kommentare: 1
  • #1

    Markus (Sonntag, 08 August 2010 15:55)

    Wow, da bekommt man richtig Lust das sofort auszuprobieren. Die Geschichte mit dem heißen Stein gefällt mir (das mag ich auch bei privatem Essvergnügen, ist so ein gemütliches Essen).

    Danke für den Bericht. Den Laden hab ich mir notiert.

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